Für ein Ende der Angst! Dezentrale Aktionswoche #SpukAufRechts vom 24.10.18 bis zum 31.10.18

#SpukaAufRechts - Für ein Ende der Angst

Es ist Halloween und Zeit für Spukgeschichten und fies grinsende Kürbisse. Wenn wir aber ganz ehrlich sind, dann ist uns dieses Jahr überhaupt nicht danach, noch mehr Gruseleien zu erfinden. Wenn wir ehrlich sind, dann ist die Realität voll mit Bedrohungen und mit Schrecklichkeiten, die weder verzerrte Stimmen noch flackernde Lichter benötigen, um Angst zu machen, zu bedrücken und anzuwidern. Darum wollen wir die dezentrale Aktionswoche #SpukAufRechts starten und fordern euch auf, Orte der Angst heimzusuchen und ihnen mit eurem Mut, mit Fotoaktionen, mit Plakaten, Videos, Texten, oder, oder, oder entgegen zu treten!

Spuk auf Rechts - Halloweenaktion 2018

Ein Jahr ist die Wahl her, die erstmals einer offen faschistischen Partei den Einzug in den Bundestag ermöglichte. Die Welt ist seitdem nicht aus den Fugen geraten. Aber doch ist es nicht nur der Ton, der rauer geworden ist.
In diesem einen Jahr starben tausende Menschen auf der Flucht an den Außengrenzen Europas. Tausende wurden abgeschoben, in Länder, die niemand ernsthaft als sicher bezeichnen kann, dem an dem Leben seiner Mitmenschen etwas liegt.

In diesem einen Jahr füllte Horst Seehofer das Innenministeramt mit purem Rassismus. Er feierte seinen 69. Geburtstag damit, dass 69 Personen nach Afghanistan abgeschoben wurden. Eine der Personen begang nach dieser Abschiebung Suizid. Es ist aber nicht nur die Menschenverachtung eines einzelnen, die all das so grausam macht. Es sind auch diejenigen, die sie beklatschen und diejenigen, die ihr nicht widersprechen, die ihr den Weg ebnen.

Diese Fälle sind fester Teil einer Gesellschaft, die strukturell ausgrenzt, diskriminiert und benachteiligt. Zu Rassismus gesellen sich Antisemitismus, Sexismus, Trans- und Homofeindlichkeit, Ableismus und ein ständiger Leistungsdruck. Aufklärung und solidarische Initiativen gibt‘s zwar, aber allzu oft werden ihnen Steine in den Weg gelegt oder sie als Träumereien abgetan. Als vermeintliche Beruhigung werden Polizeibefugnisse und Überwachung ausgebaut.

Währenddessen schart sich in Chemnitz und Köthen das selbsternannte „Volk“ von PEGIDA und AfD angestachelt zu Hetzjagden. Neonazis, die nach 2016 wieder ruhiger schienen, nutzen ihre vernetzten und gestärkten Strukturen, um erneut Gewalt auszuüben. Was der Verfassungsschutz verneint und verharmlost, entpuppt sich nur Tage später als mutmaßliche terroristische Vereinigung.  Die Landtagswahl in Sachsen droht ein Erfolg für die AfD zu werden.

Dieser Zustand, in dem gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit Teil der Normalität ist, macht uns Angst. Die Aussicht, dass er sich durchaus noch verschlimmern kann, macht uns eine Riesenangst. Was diese Angst aber nicht kann, ist, uns ohnmächtig zu machen.

Wir wollen uns eine komplette Halloweenwoche vornehmen, in der nicht wir es sind, die sich gruseln. Stattdessen wollen wir dem, was uns Angst macht, entschlossen entgegen treten – und hoffen, dass sich viele, viele Antifaschist*innen anschließen! Das, was uns Angst macht, lässt sich oft auf bestimmte Orte beziehen: Da wären Plätze, auf denen faschistische Demonstrationen stattfanden, Behörden und Ämter, in denen Abschiebungen und Repression zu “Papierkram” werden, Orte, an denen menschenverachtende Politik durchdacht und propagiert wird und noch so viele mehr, an denen einer freien, offenen und vielfältigen Gesellschaft im Weg gestanden wird.

Sucht solche Orte der Angst auf und zeigt ihnen mit aller Deutlichkeit, die ihr aufbringen könnt, dass ihr euch nicht einschüchtern lasst. Ihr könnt laut sein, kreativ sein, Plakate im Gepäck haben und Freund*innen an eurer Seite. Wir sind sicher, euch fällt da etwas Tolles ein. Dokumentiert eure Aktionen, macht Fotos, Videos oder schreibt darüber, und teilt sie unter #SpukAufRechts. Schaut euch die Aktionen anderer Menschen und Gruppen an, vernetzt euch und zeigt Solidarität.

Wir wollen gar nicht zeigen, dass wir mehr sind, sondern wir wollen vor allem zeigen, was alles in uns steckt. Selbstverständlich bleibt es bei allem Mut und aller Frechheit wichtig, auf sich selbst und aufeinander aufzupassen. Ebenso selbstverständlich ist, dass Aktionen, die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit verbreiten, sich ganz weit weg verziehen können.

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