Hart aber herzig – der Sommer 2018

Herziger Sommerrückblick 2018

Ihr Herzigen, was sind wir geeilt, gehüpft, gesprungen – einmal quer durch den Sommer und nun mitten in den Herbst hinein.

Und weil wir im Sommer 2018 so viele Herzigkeiten verteilt haben, so viele tolle Projekte unterstützen konnten und so vielen herzigen Menschen begegnet sind, möchten wir mit euch darauf zurückblicken. Aber nicht nur deshalb, sondern auch weil uns die letzten Monate vor neue Herausforderungen gestellt haben. Und weil die verkünden, über den kalten Winter noch fieser zu werden, wollen wir ihnen fest in die Augen blicken.
Aber von vorne.

Herziger Sommerrückblick 2018

Das feministische Straßenfest in Annaberg-Buchholz am 16. Juni

Okay, Sommer war da noch nicht so ganz, aber das Straßenfest ist uns so wichtig, dass wir es auf keinen Fall verschweigen wollen. In Annaberg-Buchholz fand an diesem Tag ein “Schweigemarsch für das Leben” statt. Fundamentalist*innen, Abtreibungsgegner*innen und Antifeminist*innen trugen ihre rückschrittliche Propaganda durch die kleine Stadt. Deutlich bunter, toller, lautstarker war da der Gegenprotest, der dem Schweigemarsch mit einem deutlichen Zeichen für körperliche und sexuelle Selbstbestimmung entgegen trat!Wir haben uns riesig gefreut, dass wir Teil des feministischen Straßenfests sein durften und mit Pro Choice Sachsen eine wunderbare Initiative unterstützen konnten.

Antifaschistische Herzigkeit - Leben schützen, Abtreibungen legalisieren.

Das Bohei & TamTam in Leipzig am 23. Juni

“Paaah, Sommeranfang”, schien Leipzig sich an diesem Juniwochenende zu denken und schüttete massenhaft Regen auf das kunterbunte Straßenfest auf der Karl-Heine-Straße. Die Menschen dort ließen sich die Feierlaune aber trotzdem nicht nehmen und zogen mit einer wilden Parade über die Straße. Wir freuen uns, dass wir uns jedes Jahr in dieses wunderbare Fest mischen dürfen! Eine Extraportion Feierei gab’s, als wir die lieben Menschen von der Bambule dort ebenfalls entdeckt haben.

Das Kosmonaut-Festival am Stausee Rabenstein am 29. und 30. Juni

Die lauschigen Wiesen und lieben Menschen auf dem Kosmonaut-Festival durften wir vergangenes Jahr bereits kennen lernen. Darum haben wir auch alles gegeben, um auch in diesem Jahr mit vielen Herzigkeiten am Stausee landen zu können. Ein dickes Danke geht raus an die tolle Bande rund um Kraftklub, die uns das ermöglicht haben! Ein Schulterklopfen gibt’s für uns, denn ein paar Überstunden in der Druckwerkstatt, an der Buttonpresse und vor der Nähmaschine haben uns einen riesigen Schwung tollster Herzigkeiten beschert. Und Konfettiregen gibt’s für euch alle, die diesen riesigen Schwung mit nach Hause genommen haben!

Piksen wollten wir auf dem Kosmonaut-Festival allerdings nicht nur Nazis, sondern sämtliche gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, die sich in Musik geschlichen hat. Darum haben wir unsere “Musikkritik” gestartet: Sieben Plakate, die auf die Themen Ableismus, Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Nationalismus und Homofeindlichkeit eingehen und sich mit der Frage beschäftigen, was wir denn nun feiern – und was lieber nicht. Unsere wildesten Träume gingen in Erfüllung und ihr habt die Plakate nicht nur wahrgenommen, sondern auch mit euren Freund*innen darüber diskutiert. Und genau das wollten wir erreichen.

Der Christopher Street Day in Leipzig am 21. Juli

Wir wollen uns unseren Sommer schon gar nicht mehr ohne den CSD Leipzig vorstellen! Auch dieses Jahr waren wir völlig verzückt von diesem bunten, wilden Fest, bei dem die Kämpfe nicht vergessen werden. Und genau darum ging es uns auch: Kämpfe verbinden! Mit einer Extraportion Regenbogen im Gepäck waren wir für den solidarischen Kampf gegen jegliche Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit am Start.

Beatz im Block 4 im Schönauer Park (Leipzig) am 17. August

“Miez im Block bei Beatz im Block!” – wir haben uns so gefreut, mit unseren wilden Katzenbanden schon zum dritten Mal bei diesem so wichtigen Fest am Start sein zu dürfen. Mitten zwischen den Blocks, mitten in einem Viertel, das von unseren Leipziger Wohlfühlzonen oft so weit entfernt scheint. Nicht so an diesem Abend, denn mit hunderten tollen Menschen durften wir zu tollster Musik feiern. Am Stand gab’s Besuch von Sookee und Sir Mantis und wir sind immer noch überglücklich, das Werk II bei dieser Veranstaltung unterstützen zu können.

Das Highfield-Festival bei Leipzig vom 17. bis zum 19. August

Boaah, was haben wir gestaunt, als uns die Möglichkeit gegeben wurde, zusammen mit Leipzig nimmt Platz auf dem Highfield-Festival am Störmthaler See aufschlagen zu können! Und was für eine riesige Sause das war! Nach drei Tagen waren wir zwar völlig erschöpft und eingestaubt, aber auch so glücklich, wie viele von euch sich auf dem Festival die Zeit genommen haben, unsere Herzigkeiten und auch das viele Infomaterial zu bestaunen, Spenden da zu lassen und mit uns über die Situation in Sachsen zu quatschen. Megagut war außerdem, von praktisch jeder deutschsprachigen Band eine Ansprache auf der Bühne zu hören, wie wichtig der Kampf gegen den aufkommenden Faschismus ist. Nicht so toll fanden wir die mackerigen Acts, die Sexismus und Rassismus von den Bühnen gedropt haben – aber für die hatten wir wieder unsere Musikkritik am Start.

Das 4. Brückenfest in Leipzig am 25. August

Ganz weit oben im Kalender unserer allerliebsten Lieblingsveranstaltungen steht das Brückenfest. Schon zum vierten Mal wurde die komplette Sachsenbrücke zu einem interkulturellen Fest mit Ausstellung, Musik, Infos und spannenden Gesprächen verwandelt. Es ist so super, dass wir jedes Jahr Teil der Veranstaltung sein und diese unterstützen können!

Antifaschistische Herzigkeit beim Brückenfest 25.August 2018 14-22 uhr
Antifaschistische Herzigkeit beim 4. Brückenfest

Und dann… kam Chemnitz

Und hat uns alle ganz schön umgehauen. Nicht, weil wir einen so großen faschistischen Aufmarsch und so großes Gewaltpotential in Sachsen für unmöglich gehalten hätten. Nee, nach den letzten Jahren, nach Schneeberg, Freital, Heidenau, Clausnitz und Bautzen machen wir uns gar keine Illusionen, die vermeintlich unbescholtenen Bürger*innen Sachsens seien nur besorgt. Wenn sie wollen, können sie nämlich scheißegefährlich werden, und das nicht nur an den Wahlurnen. Aber noch bevor wir uns sammeln und solidarische Grüße an die Betroffenen der Gewalt und die Antifaschist*innen in Chemnitz senden konnten, gab es einige wunderbare Menschen, die da was großes ausgeheckt haben…

Wir sind mehr! am 3. September

Schon wenige Tage nach den Hetzjagden von Chemnitz wurde ein riesiges Konzert organisiert, ein großes Fest, das an mehreren Orten in der Stadt stattfand. Auch wir standen im Chemnitzer Stadthallenpark und brachten die paar Herzigkeiten mit, die nach den letzten Sommermonaten noch am Start waren und ein paar, die wir auf den Schreck noch flink fertiggewerkelt haben. Und was sollen wir sagen?! Die Solidarität war überwältigend und dank euch können wir eine vierstellige Summe Richtung Chemnitz spenden! Denn auch, wenn wir uns dem “Wir sind mehr” nicht ganz anschließen können und uns eher Menschen beim Protest als auf Konzerten wünschen, sind wir superglücklich, die Antifaschist*innen in Chemnitz zusammen mit euch so stark zu supporten.

Stains in the Sun am 8. September

Das Stains in the Sun ist ebenfalls eines der Feste, bei denen wir uns so riesig freuen, dass wir sie in diesem Jahr zum wiederholten Mal unterstützen konnten. In diesem Jahr umso mehr, denn die Stadt Schwarzenberg hat dem Agenda Alternativ e.V. die Nutzung der städtischen Naturbühne untersagt – man wolle dort keine politischen Veranstaltungen hieß es. Ausweichort wurde der Sportplatz Raschau, auf dem ein Tag lang das schöne Leben ohne Nazis auch im Erzgebirge gefeiert werden konnte. Ein ganz großes Herz geht an Agenda Alternativ, die so wichtige Arbeit im ländlichen Raum leisten. 

Soliparty für die Seenotrettung in Leipzig am 14. September

“Seehofer über Bord!” lautete das Motto einer wilden Party im Werk 2. Und wie toll wäre das, wären rassistische und faschistische Gedanken mal eben über Bord geworfen und gäbe es endlich sichere Fluchtrouten nach Europa! Wir haben diesen Traum einen Abend lang mitgetanzt. Auch, wenn wir schon am nächsten Morgen der bitteren Realität ins Auge und Seehofer immer noch auf dem Innenministerposten erblicken mussten, freuen wir uns über die Spenden, die auf der Party für die Seenotrettung zusammen kamen.

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